Psychopharmaka

Psychopharmaka

Im Vergleich zu den Vorjahren erleben wir z.Zt. in den Gesprächen verstärkt die Frage nach Psychopharmaka – SSRI – Antidepressiva. Aus diesem Grunde stellen wir Ihnen klärende und hilfreiche Informationen zur Verfügung. Nach unserem Wissensstand gibt es keine wissenschaftliche Forschung zu Antidepressiva/SSRI bei Kindern mit selektiver Mutismus in Deutschland.

Immer mehr Kinder erhalten Psychopharmaka

Eine alarmierende Nachricht aus dem Zeitschrift „Kinder-Spezial“ Ausgabe 48:

Wir zitieren: Zwischen 2005 und 2012 habe der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mindestens ein Antipsychotikum erhielten, um 41 Prozent zugenommen, berichten die Forscher. Der Anstieg sei vor allem auf Verordnungen von so genannten aMutismus und Psychopharmakatypischen Antipsychotika wie Risperidon und Quentiapin zurückzuführen (+ 129 Prozent) und er betreffe vor allem die 10 bis 19-jährigen männlichen Jugendlichen. Risperidon ist zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von anhaltenden Aggressionen und Verhaltensstörungen ab einem Alter von fünf Jahren bei verzögerter mentaler Entwicklung zugelassen; Quentiapin (9.5 % der Verordnungen) hat keine Zulassung für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen.

Beispielsweise wird das am häufigst verschriebene Antipsychotikum Risperidon in 61.5 Prozent der Fälle bei ADHS verordnet und bei 35.5 Prozent wegen Störungen des Sozialverhaltens, obwohl es für diese Diagnosen nicht zugelassen ist und auch die Leitlinien diese Medikation nicht empfehlen.

 

EMA warnt vor SSRI/NaRI bei Kinder und Jugendlichen

„Die europäische Zulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) hat die Bewertung zu Antidepressiva aus der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme Inhibitoren (kurz SSRI genannt) und der Noradrenalin-Wiederaufnahme Inhibitoren (NaRI) abgeschlossen.

Dazu empfiehlt EMA  den Zulassungsbehörden der Mitgliedsländer stärkere Warnhinweise beim Einsatz dieser Medikamente bei Kinder und Jugendlichen zu veranlassen.

Daher empfiehlt EMA jetzt, dass detailliert auf das mögliche Risiko von Suizidversuchen  (Selbstmordversuche) oder -gedanken oder feindliches Verhalten (Aggression, oppositionelles Verhalten oder Wut) hingewiesen wird. Die deutschen Fachinformationen haben derzeit in der Regel den Hinweis, dass der Einsatz mangels klinischer Erfahrungen unterbleiben sollte. Die Hinweise sollen in den Fachinformationen zu Medikamenten mit den Wirkstoffen Italopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Mianserin, Milnacipran, Mirtazapin, Paroxetin, Reboxetin, Sertralin und Venlafaxin erscheinen.

FDA (The Food and Drug Administration, USA) – Warnung 2003: Berichte über Suizidalität bei Kindern, die mit Antidepressiva wegen schwerer Depression behandelt werden.

Dementsprechend macht FDA auf die Fallberichte über die Suizidalität bei Kindern, die mit Antidrepressiva wegen schwerer Depression behandelt werden, aufmerksam. Während Suizidalität bei Patienten mit schweren Depressionen nicht selten vorkommt, haben sich Fallberichte über Suizidalität bei Kindern unter Antidepressiva, im Vergleich zur Plazebobehandlung in der gleichen Patientengruppe, vermehrt.

 

Wissenswertes

Serotonin ist ein Botenstoff, wirksam u.a. im Gehirn (Neurotransmitter). Es wird  auch als „Glückshormon“ bezeichnet, da es bei guter körperlicher und seelischer Verfassung vermehrt vorkommt, bzw. bei depressiver Verstimmung eine niedrigere Konzentration gemessen wird. Eine Steigerung des Serotoninspiegels führt zu Stimmungsaufhellung. Seine Wirkung entfaltet das Serotonin maßgeblich im synaptischen Spalt, also im Übergangsraum von Nervenzelle zu Nervenzelle.

Dementsprechend sollen Serotoninwiederaufnahmehemmer  verhindern, dass Serotonin aus dem Spalt wieder in die Zellen aufgenommen wird. Hierdurch wird der ursprüngliche Mangel nicht behoben. Eventuell fehlt dem Körper dadurch sogar der Impuls Serotonin zu bilden. Reduziert sich der Impuls und wird das Mittel abgesetzt ist es denkbar, dass sich die psychische Verstimmung stärker zeigt (wie oben beschrieben). Daher ist die Behandlung von SSRI meist auf längere Zeit ausgerichtet, denn, so schreibt das klinische Wörterbuch Pschyrembel zu SSRI: „Wirkungseintritt erst nach mehreren Wochen.“

Welche Langzeitwirkung SSRI – Psychopharmaka auf die seelische und körperliche Entwicklung von Kindern bewirkt, ist nicht einzuschätzen.

Süddeutsche Zeitung vom 21. August 2008 „Kinder als Versuchskaninchen“

… Arzneimittel müssen vor der Marktzulassung egal in welchem Land auch an Menschen getestet werden. Medikamente an Kindern zu testen, ist für die Pharmaindustrie allerdings noch relativ ungewohnt. Es ist noch nicht lange her, dass selbst Säuglinge wie Erwachsene behandelt wurden und nur weniger Wirkstoff verabreicht bekamen. Die Erkenntnis, dass Patienten im Baby-Alter mitunter ganz andere Medikamente benötigen, eröffnete den Pharmaherstellern einen neuen Markt, zwang sie aber auch zu Tests an Kindern. Weil sich aber in den Industrieländern kaum Eltern finden lassen, die bereit sind, ihre Kinder für solche Versuche zur Verfügung zu stellen, weichen die Konzerne in ärmere Länder aus….“