Diagnostik

Diagnostik und was dann

Diagnostische Leitlinien nach der ICD-10 bei selektivem Mutismus

Die Diagnose setzt voraus

  • Ein normales oder nahezu normales Niveau des Sprachverständnisses.
  • Eine Kompetenz im sprachlichen Ausdruck, die für eine soziale Kommunikation ausreicht.
  • Einen Beleg dafür, dass die betroffene Person in einigen Situationen normal oder fast normal sprechen kann und spricht.
  • Ergänzend merkt die WHO an, dass das mutistische Verhalten länger als 4-6 Wochen, in vorhersehbaren Situationen (Kinderkrippe, Kindergarten, Schule) dauern sollte.

Ein normales oder nahezu normales Sprachverständnis ist die Fähigkeit, Sinn und Bedeutung von Lautäußerungen zu erfassen. Hierzu ein Beispiel: Sie sagen „Auto“ zu Ihrem 3-jährigen Jungen und er läuft los und holt das Spielzeugauto. Holt Ihr Sohn aber immerzu den Ball, könnte dies als ein Hinweis auf eine Hörverarbeitungsproblematik zu sehen sein.
Für die soziale Kommunikation benötigen wir nicht unbedingt einen umfangreichen Wortschatz. Die ICD-10 will damit sagen, dass auch ein möglicherweise eingeschränkter Wortschatz zu einer gelungenen Kommunikation führen kann.
Durch Beobachtungen der Erzieherinnen, Pädagogen und vor allem der Eltern ist rasch belegbar, in welcher Situation das Kind wie mit wem spricht: ob es keinen Blickkontakt hält, ob es eine versteinerte Gesichtsmimik zeigt, einen gesenkten Blick, sich versteckt, erstarrt….. Weitere Merkmale können sein, dass es auf Mimik und Gestik ausweicht, dem Elternteil ins Ohr flüstert oder in der Öffentlichkeit auch gegenüber den Eltern verstummt.

Wer stellt die Diagnose

Die Diagnose „Selektiver Mutismus“ wird von Kinderärzten, Ärzten, Psychologen, Heilpraktiker für Psychotherapie  und Psychiater diagnostiziert. Keinesfalls kann die Diagnose von Logopäden, Ergotherapeuten, Sozialpädagogen, Reittherapeuten oder ähnl. Therapeuten gestellt werden, außer diese haben eine Ausbildung in Psychotherapie.

Diagnostik eines mutistischen Kindes