Diagnostik

Selektiver Mutismus – Diagnostik und was kommt dann?

Diagnostik nach den Leitlinien der ICD-10 bei selektivem Mutismus; Mai 2019 selektiver Mutismus findet in der ICD-11 Eingang als eigenständige Angststörung

Die Diagnose setzt voraus

  • Ein normales oder nahezu normales Niveau des Sprachverständnisses.
  • Eine Kompetenz im sprachlichen Ausdruck, die für eine soziale Kommunikation ausreicht.
  • Einen Beleg dafür, dass die betroffene Person in einigen Situationen normal oder fast normal sprechen kann und spricht.
  • Ergänzend merkt die WHO an, dass das mutistische Verhalten länger als 4-6 Wochen, in vorhersehbaren Situationen (Kinderkrippe, Kindergarten, Schule) dauern sollte.

Ein normales oder nahezu normales Sprachverständnis ist die Fähigkeit, Sinn und Bedeutung von Lautäußerungen zu erfassen. Hierzu ein Beispiel: Sie sagen „Auto“ zu Ihrem 3-jährigen Jungen und er läuft los und holt das Spielzeugauto. Holt Ihr Sohn aber immerzu den Ball, könnte dies als ein Hinweis auf eine Hörverarbeitungsproblematik zu sehen sein.

Für die soziale Kommunikation benötigen wir nicht unbedingt einen umfangreichen Wortschatz. Die ICD-10 will damit sagen, dass auch ein möglicherweise eingeschränkter Wortschatz zu einer gelungenen Kommunikation führen kann.

Durch Beobachtungen der Erzieherinnen, Pädagogen und vor allem der Eltern ist rasch belegbar, in welcher Situation das Kind wie mit wem spricht: ob es keinen Blickkontakt hält, ob es eine versteinerte Gesichtsmimik zeigt, einen gesenkten Blick, sich versteckt, erstarrt….. Weitere Merkmale können sein, dass es auf Mimik und Gestik ausweicht, dem Elternteil ins Ohr flüstert oder in der Öffentlichkeit auch gegenüber den Eltern verstummt.

Wer stellt die Diagnose „Selektiver Mutismus“?

Das Wort Diagnose geht auf das griechische Verb diágnosis zurück. Das Verb bedeutet gründlich kennenlernen. In medizinischen Klassifizierungssystemen, wie der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD), werden Diagnosen schematisch in Gruppen eingeteilt so wird Mutismus in der Gruppe

Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend

geführt. Die noch gültige ICD 10 hat für Mutismus die Ziffer F 94.0 vergeben.

Die Diagnose „Selektiver Mutismus“ wird von Kinderärzten, Ärzten, Psychologen, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychiater diagnostiziert. Keinesfalls kann die Diagnose von Logopäden, Ergotherapeuten, Sozialpädagogen, Reittherapeuten oder ähnl. Therapeuten gestellt werden, außer diese haben eine Ausbildung in Psychotherapie.

Psychische Erkrankungen können nicht „einfach“ mit Hilfe eines Tests festgestellt (in der Fachsprache: diagnostiziert) werden, wie es zum Beispiel bei einem Knochenbruch mit einer Röntgenaufnahme der Fall ist. Eine klinische Diagnose kann nur von einem erfahrenen Facharzt oder Psychotherapeuten gestellt werden.

Aufgrund des mutistischen Verhaltens kann in der Regel keine Sprachdiagnostik erstellt werden. Hilfreich sind daher Videoaufzeichnungen innerhalb der Familie oder Tonbandaufnahmen, um Sprachverständnis, Artikulation, Satzbau und Grammatik beurteilen zu können.

Zur Diagnostik eines akinetischen Mutismus wenden Sie sich bitte an den behandelnden Arzt oder Neurologen.

Diagnostik eines mutistischen Kindes

 

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