Im Vergleich zu den Vorjahren erleben wir z.Zt. in den Beratungsgesprächen verstärkt die Frage nach SSRI/Antidepressiva. Aus diesem Grunde stellen wir Ihnen klärende und hilfreiche Informationen zur Verfügung. Nach unserem Wissensstand gibt es keine wissenschaftliche Forschung zu Antidepressiva/SSRI und selektiven Mutismus in Deutschland.
Das Glück aus der Dose Samstag, den 23. Mai 2009 um 11.00 Uhr auf ARTE
Immer häufiger werden auch bei Kindern psychische Störungen diagnostiziert. Vor allem in den USA werden diese in erster Linie mit Psychopharmaka behandelt. Weltweit sind die Verordnungszahlen von Psychopharmaka bei Kindern in den letzten 10 Jahren um 250 Prozent gestiegen. Die Dokumentation beleuchtet die Kontroverse um Nutzen und Risiken dieser Medikamente.
Bei dem elfjährigen Raul aus New York wurde eine bipolare - manisch-depressive - Störung didagnostiziert. Laut einer Studie des Massachusetts General Hospital in Boston stellten Ärzte diese Erkrankung bei amerikanischen Kindern in den letzten zehn Jahren 4.000 häufiger fest als vorher. Ein Europa beurteilt man das vorwiegend als Fehldiagnose. Medikamentengegner behaupten, dass heute Krankheiten gezielt von der Pharmaindustrie "erfunden" werden, um die Absatzmöglichkeiten für deren Produkte zu erhöhen, obwohl diese Medikamente für Kinder gar nicht zugelassen sind.
Doch mit der Begrüdung "individueller Heilungsversuch" können Ärzte Medikamente an kleinere Kinder verschreiben. Man spricht dann vom "Off-Label-Use". Die Eltern von Raul versprechen sich von den Pillen Hilfe. Ihr Sohn war bereits mit drei Jahren verhaltensauffällig. Seither schluckt er verschiedene Medikamenten-Cocktails. Als er neun Jahre wird, rastet er aus, zertrümmert sein Zimmer und schlägt seine Mutter. Die Eltern rufen die Polizei, er kommt in die Psychiatrie. "Fremdaggressives Verhalten kann eine Nebenwirkung bestimmter Antidepressiva oder Stimulatien sein", erklärt der ehemalige Vorsitzende der deutschen Arzneimittelkommission, Professor Bruno Müller-Oerlinghausen.
Mehr unter:
http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1017818,day=1,week=22,year=2009.html
EMEA warnt vor SSRI/NaRI bei Kinder und Jugendlichen
"Die europäische Zulassungsbehörde EMEA (European Medicines Agency) hat die Bewertung zu Antidepressiva aus der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme Inhibitoren (kurz SSRI genannt) und der Noradrenalin-Wiederaufnahme Inhibitoren (NaRI) abgeschlossen.
Die EMEA empfiehlt den Zulassungsbehörden der Mitgliedsländer stärkere Warnhinweise beim Einsatz dieser Medikamente bei Kinder und Jugendlichen zu veranlassen.
Die EMEA empfiehlt jetzt, dass detailliert auf das mögliche Risiko von Suizidversuchen (Selbstmordversuche) oder -gedanken oder feindliches Verhalten (Aggression, oppositionelles Verhalten oder Wut) hingewiesen wird. Die deutschen Fachinformationen haben derzeit in der Regel den Hinweis, dass der Einsatz mangels klinischer Erfahrungen unterbleiben sollte. Die Hinweise sollen in den Fachinformationen zu Medikamenten mit den Wirkstoffen Italopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Mianserin, Milnacipran, Mirtazapin, Paroxetin, Reboxetin, Sertralin und Venlafaxin erscheinen.
FDA (The Food and Drug Administration) - Warnung 2003: Berichte über Suizidalität bei Kindern, die mit Antidepressiva wegen schwerer Depression behandelt werden.
FDA aus USA macht auf die Fallberichte über die Suizidalität bei Kindern, die mit Antidrepressiva wegen schwerer Depression behandelt werden, aufmerksam,. Während Suizidalität bei Patienten mit schweren Depressionen nicht selten vorkommt, haben sich Fallberichte über Suizidalität bei Kindern unter Antidepressiva, im Vergleich zur Plazebobehandlung in der gleichen Patientengruppe, vermehrt.
Auszug aus einem Interview mit Prof. Dr. Hegerl, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Leipzig 2008
Süddeutsche.de: Auf der anderen Seite sind die Mittel aber stark in die Kritik gekommen, weil sie unter Kindern und Jugendlichen das Selbstmordrisiko erhöhen sollen.
Hegerl: In Studien mit Kindern und Jugendlichen wurde festgestellt, dass es während der Behandlung mit Antidepressiva zu mehr Suizidgedanken und zu selbstschädigendem Verhalten gekommen war. Tatsächlich umgebracht hatte sich kein einziger der Studienteilnehmer. Es wurde natürlich zu Recht darauf hingewiesen, dass man bei Kindern und Jugendlichen vorsichtig sein muss. Die Wirksamkeit der Mittel ist bei Kindern und Jugendlichen außer für Fluoxetin (Prozac) auch nicht belegt. Aber nach den Berichten über die Studie waren Hausärzte und Eltern verunsichert. Die Verschreibungen gingen in den USA um mehr als 20 Prozent zurück. Und danach kam es in der betroffenen Altersgruppe erstmals seit vielen Jahren zu einem steilen Anstieg der Selbstmordrate.
Die Serotoninwiederaufnahmehemmer sollen verhindern, dass Serotonin aus dem Spalt wieder in die Zellen aufgenommen wird. Hierdurch wird der ursprüngliche Mangel nicht behoben. Eventuell fehlt dem Körper dadurch sogar der Impuls Serotonin zu bilden. Reduziert sich der Impuls und wird das Mittel abgesetzt ist es denkbar, dass sich die psychische Verstimmung stärker zeigt (wie oben beschrieben). Daher ist die Behandlung von SSRI meist auf längere Zeit ausgerichtet, denn, so schreibt das klinische Wörterbuch Pschyrembel zu SSRI: "Wirkungseintritt erst nach mehreren Wochen."
Welche Langzeitwirkung SSRI auf die seelische und körperliche Entwicklung von Kindern bewirkt, ist nicht einzuschätzen.
Süddeutsche Zeitung vom 21. August 2008 "Kinder als Versuchskaninchen"
"... Arzneimittel müssen vor der Marktzulassung egal in welchem Land auch an Menschen getestet werden. Medikamente an Kindern zu testen, ist für die Pharmaindustrie allerdings noch relativ ungewohnt. Es ist noch nicht lange her, dass selbst Säuglinge wie Erwachsene behandelt wurden und nur weniger Wirkstoff verabreicht bekamen. Die Erkenntnis, dass Patienten im Baby-Alter mitunter ganz andere Medikamente benötigen, eröffnete den Pharmaherstellern einen neuen Markt, zwang sie aber auch zu Tests an Kindern. Weil sich aber in den Industrieländern kaum Eltern finden lassen, die bereit sind, ihre Kinder für solche Versuche zur Verfügung zu stellen, weichen die Konzerne in ärmere Länder aus...."
Atomoxetin / Strattera
Atomoxetin ist ein ursprünglich zur Behandlung von Depressionen entwickelter Arzneistoff, der sich für Depressionen jedoch als unwirksam erwiesen hat und dessen chemische Struktur stark derjenigen von Fluoxetin ähnelt. Im Gegensatz zum SSRI Fluoxetin soll Atomoxetin selektiv die Wiederaufnahme (Re-Uptake) von Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt hemmen (NARI).
Atomoxetin wurde im März 2005 in Deutschland für die Indikation ADHS zugelassen und wird unter dem Namen (Strattera) von der Fa. Eli Lilly and Company vermarktet. Atomoxetin unterliegt in Deutschland im Gegensatz zu den bislang bei ADHS eingesetzten Stimulanzien (insbesondere Methylphenidat z.B. bei Ritalin) nicht dem Betäubungsmittelgesetz.
Hinsichtlich der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sind prinzipiell ähnliche Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern zu beachten. Darüber hinaus liegt seit September 2005 ein Rote-Hand-Brief des Herstellers vor, in dem über ein signifikant erhöhtes Risiko der Begünstigung oder Auslösung von aggressivem Verhalten, Suizidalität und Suizidhandlungen (Selbsttötung) unter Atomoxetin im Vergleich zu Placebo bei Kindern, nicht aber bei Erwachsenen, informiert wird. Bei Auftreten von Suizidgedanken unter dem Medikament soll die Einnahme beendet werden. Während der Atomoxetin-Anwendung ist aufmerksam auf Anzeichen für Suizidalität zu achten. Leberschäden sind aufgetreten und haben zu Warnhinweisen durch den Hersteller geführt.
Wikipedia, 27.12.2008
Die Fernsehsendung FRONTAL berichtete über Suizide unter Strattera.
Pressemitteilung von FRONTAL
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/download/0,6753,7007779,00.pdf
Reaktion der Bundesanstalt für Arzneimittelsicherheit (Bfarm)
Stellungnahme der Bfarm zu den Nebenwirkungen
Artikel zur Einführung von Strattera im Jahre 2005 in der unabhängigen Ärztezeitschrift
" Arzneimittel-Telegramm"
http://www.arznei-telegramm.de/html/2005_04/0504033_01.html
Zwei Artikel zu manipulierten Untersuchungen zu Antidepressiva
http://lifestyle.t-online.de/c/19/02/74/94/19027494,tid=print,pt=print.html
http://www.sueddeutsche.de/wissen/196/471728/text/print.html